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Re: Marchionne in Genf...

Posted: 27 Mar 2014, 16:35
by Thesis0
Wenn man nur die Stückzahlen von Lancia betrachtet, kann man nachvollziehen, warum man Lancia vom Markt nimmt. Dass die Stückzahlen so gering sind, ist ein hausgemachtes Problem und ganz klar ein Managementfehler. In Lancia steckt viel Potential was man nutzen könnte. Gerade auch in China ist Tradition ein wichtiges Verkaufskriterium und ich denke Lancia hätte dort ordentlich Stückzahl machen können. Aber das ist ein anderes Thema und wurde schon oft diskutiert.

Was ich absolut nicht verstehen kann ist, wenn SM Dodge vom Markt nehmen würde. Gerade Dodge macht in den USA Stückzahl ohne Ende. So gut wie alle Modelle steigern ihren Absatz Monat für Monat, während Chrysler Modelle von stagnierenden oder sinkenden Verkaufszahlen betroffen sind. Vom Avenger welcher ein anderes Puplikum anspricht als der 200er, keinen Nachfolger zu bringen und zu meinen die ehemaligen Avenger Kunden steigen dann um auf den 200er ist mehr als blauäugig. Generell verkauft sich der Avenger besser als der 200er. Ebenso verkaufen sich besser Charger als 300er, Grand Caravan als Town & Country (Voyager). Zu meinen, dass die ehemaligen Dodge Kunden dann zum Großteil Chrysler Fahrer werden ist in meinen Augen einfach nur dämlich. Um Stückzahl zu machen, können beide Marken wie jetzt auch schon wunderbar nebeneinander exestieren und man kann seine Technik zwei ganz unterschiedlichen Käuferschichten anbieten. Nichts anderes macht auch VW sehr erfolgreich.

SM hat denke ich viel für Fiat getan aber jetzt verzettelt er sich.

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 27 Mar 2014, 16:53
by Dean
Heilige Worte!!!

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 09:05
by Dean
Ironisch:

Eigentlich wäre SM der ideale Mann für Apple. Kleine Produktvielfalt..., hohe Margen..., gut im Ankünden von Neuigkeiten (s. iTV) die nie erscheinen müssen/werden usw.

Was ich damit sagen will, am liebsten hätte er wohl genau 4 Modelle, die lassen sich aber verkaufen wie 100 Modelle.
Wie das? Man baut nur noch CrossOverModelle, siehe Croma II, Delta III, FF (der zwar GEIL ist, aber sicher nicht im Sinne von Enzo), alles andere was kommen sollte, wird leider nur verschoben, mit der Hoffnung dass man es vergisst. Namhafte Marken (auch wenn in desolatem Zustand) mit unglaublichem Potential werden eliminiert, genaue Erklärungen weshalb, sind nur armselige Entschuldigungen.

Ich gebe Thesis0 zu 100% Recht, dieser Mann verzettelt sich massiv.
Jede Verkaufszahlen-Definition die er abgeliefert hat in der Vergangenheit, ging um mindestens 30-50% daneben.
Nun frage ich mich, wie kann man nur so daneben liegen?
Andere Hersteller bleiben bei den Zahlen doch auch "halbwegs" auf dem Boden. Und diese brillieren dann mit Verkäufen und Absätzen.

Bei Fiat ist's umgekehrt, dort stagnieren die Verkäufe, der Kunde wird vergrault und wandert zu alle dem noch zur Konkurrenz.

Ich versteh's nicht! Oder ich will's nicht verstehen..., weil's andere auch hinkriegen. Aber man kann doch nicht erwarten mit einem Modell eine ganze Gruppe am Leben zu erhalten. Welcher Hersteller denkt so?

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 09:27
by Parzifal
Zahlen sind auch viel schein als sein,

Aktuell verkauft sich der 200 besser als der Avenger, der Grand Caravan verkauft sich wahrscheinlich auch nur besser weil er in der basisausstattung bei weitem billiger ist als die ( bedeutend besser ausgestattete Einstiegsversion des T&C ) es ist also anzunehmen dass FCA mit den T&C besser verdient als mit den GC um Dodge genauer zu beurteil müsste man diewirklich genauen verkaufszahlen inkl. Ausstattung und Preise vergleichen und was FCA unterm Strich pro Fahrzeug verdient. es ist besser 100000 Autos mit 2000 Dollar Gewinn zu verkaufen als 200000 mit 500 Dollar mal überspitzt gesagt.

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 09:35
by fiorello
Ciao,

es ist eine Misere und wenn das so weitergeht dann Signore SM neben Lancia auch noch Alfa an die Wand gefahren und damit zwei der größten italienischen Traditionsmarken eingestampft (td)

Es kristallisiert sich das heraus was ich von Anfang über SM dachte, ihm geht es NUR um Chrysler, für die Marke schlägt sein Herz und nichts anderes, da kann mir einer erzählen was er will, eine Reaktivierung Lancias oder Alfas war nie sein Ziel, auch wenn mir viele widersprechen aber mit dem Geld was man für die Übernahme Chryslers verauslagt hat, wäre eine Sanierung beider Marken möglich gewesen, denn genauso wie VW kann Fiat seine Marken auf dieselben Plattformen bauen, diverse Teile untereinander verwenden, angefangen von Motoren, Getriebe bis hin zu Schalter usw.

Man hätte Fiat als den klassischen Wagen fürs Volk gelassen, Alfa dann eher sportlich ausgerichtet und Lancia den Nobelmarkenpart zugestanden, war alles machbar, man muss es ebend nur wollen ;)
Nach einer erfolgreichen Sanierung, wären dann auch wieder solche Dinge wie Integrale für Lancia möglich gewesen, genauso wie die Produktion solcher Traüme Nuova Fulvia etc. was hätten wir noch für tolle Autos unserer Herzensmarke erleben können, man schaue sich nur an was Audi aus seiner Quattrotechnik gemacht hat und Lancia hingegen mit seiner zu der damaligen Zeit besseren Integraletechnik :(

Anstatt für viel Geld Maserati aufzustellen, alleine schon von den Verkaufspreisen her dürfte Maserati niemals ein Ersatz für Lancia sein.

Ein Bsp. wir fahren seit November einen Lancia Y und haben bis heute noch nicht einen anderen Y in freier Wildbahn gesehen ::o ist das Auto so schlecht ? Nein, es ist für mich der derzeit beste Kleinwagen am Markt, aber niemand kauft ihn und hier hat SM versagt auf ganzer Linie. Marketing ist für Fiat ein Fremdwort, genauso wie Kundenorientiertes Handeln (td)

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 10:04
by LCV
Eigentlich ist SM ja der typische Manager der Globalisierung. Ich verstehe nur nicht, wieso er auf den Konzern bezogen nicht global denkt und handelt. Man braucht verschiedene Modellreihen, um weltweit unterschiedliche Märkte und innerhalb dieser Märkte die unterschiedlichen Zielgruppen zu bedienen. Er schwafelt die ganze Zeit davon, dass man 5 - 6 Mio. Autos p.a. verkaufen (nicht bauen) muss, um als Konzern langfristig zu überleben. Aber alle Maßnahmen führen eher dazu, dass der Absatz sinkt. Man braucht in allen Fahrzeugklassen und Preissegmenten passende Autos, um den Kunden langfristig zu binden. Der ständig beschworene Kannibalisierungseffekt kann zwar hier und da eintreten, sollte aber bei geschickter Plattform- und Gleichteilestrategie immer noch 1000 mal besser sein als das systematische Vertreiben der Kunden zur Konkurrenz. Wenn er der Ansicht ist, man verdient nichts an kleineren Modellen, sieht er das eben nur isoliert. Wie er die Konzernmarken isoliert betrachtet statt als Teil des Gesamtkonzerns. Es wäre doch gut, wenn man Leute bedienen könnte, die nicht den "Billig-Fiat" haben wollen, sondern etwas betont sportliches (Alfa) oder luxuriöses und innovatives (Lancia). Seine Strategie kann bei Maserati und Ferrari funktionieren, aber nicht unterhalb der Hochpreisklasse. Und die Kleinen sind auch der Einstieg in die Marke. Der nächste Wagen könnte schon eine Nummer größer sein.

Statt Marken und ganze Baureihen in die Tonne zu klopfen, sollte er lieber dafür sorgen, dass die Produktplanung eine nachvollziehbare und für den Kunden passende Kontinuität aufweist, dass Ankündigungen termingerecht eingehalten werden, dass der Service, das Händlernetz, die Ersatzteilversorgung und -preise stimmen. Mit der derzeitigen Politik kann man kein Auto dieses Konzerns mit gutem Gewissen kaufen. Es mag in den USA noch einigermaßen passen, nicht aber in Europa. Sollte man dort auch so agieren wie hier, kommt nach dem zwischenzeitlichen Aufschwung der freie Fall.

Unter den Autokäufern gibt es nur wenige Markenfans. Die meisten Leute prüfen alle Angebote in Bezug auf ihre eigenen Bedürfnisse und Geldbeutel. Deshalb muss man konkurrenzfähig sein und mit überzeugenden Produkten versuchen, den Kunden zu binden. Wie viele Leute haben z.B. den Alfa 156 spontan gekauft, obwohl sie vorher nie ein italienisches Auto hatten? Aber wieviele dieser Käufer haben danach wieder Alfa gekauft? Nachdem man mit dem ganzen Drumherum Bekanntschaft gemacht hatte, war das nächste Auto wieder ein deutsches oder ein Asiate.

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 11:25
by Dean
... und dann sieht man sowas und fragt sich was denn mit denen nicht stimmt: http://www.allaguida.it/foto/nuova-fiat-127_12443.html

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 11:37
by mefisto2011
Der Y soll der beste Kleinwagen auf dem Markt sein??? Sorry, Fio, für Dich als eingefleischter Lancista vielleicht, aber dann ist Uli Hoeneß der ehrlichste Mensch auf der Erde, davon sind einige Hoeneß-Fans auch überzeugt. SM ist schlicht und einfach konsequent, auch darin, dass er seine Meinung ändert. Naja, wäre er ganz konsequent, müsste er den Y wahrscheinlich auch einstampfen, weil das Auto außerhalb von Italien niemand interessiert - Frankreich mal ausgenommen, da werden ja fast 5000 (ist das viel???) per anno verkauft. In Deutschland können sie Werbung machen, wie sie wollen, davon werden die Zahlen nicht besser. Und das liegt auch am Design - und daran, dass die Presse ihn länderübergreifend nieder gemacht hat. Warum sollte SM jetzt eine komplette Modellpalette für den Konzern anbieten, wenn keiner die Autos will? Ich danke SM von Herzen dafür, dass es den Konzern überhaupt noch gibt. Ob jetzt mein nächster ein gebrauchter Delta, eine Giulietta oder ein Freemont oder ein 500X oder ein Ghibli (man wird ja wohl träumen dürfen) wird, das werden wir sehen, wenn es so weit ist. Nur eines weiß ich, ein Y wird es mit Sicherheit nicht. Den sollen die fahren, denen er gefällt, sind leider nicht viele, ich hätte dem Wagen schon rein aus Prinzip und als Lancia-Fan mehr Erfolg gegönnt, aber ich habe nicht an den Erfolg - außerhalb Italiens - geglaubt, keine Sekunde seit Erscheinen der ersten Firmenfotos.

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 28 Mar 2014, 15:20
by mp
so ist es.
Das Problem, SM ist gelernter Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer. Der hockt vor Zahlen -- hat aber im Gegesatz zu Porsche,Piech,Zetsche & Co
nie den Geruch von einer Auto-Werksatt kennen gelernt und deshalb auch Null Ahnung von Autoentwicklung.
Dies müsste er z.B. einen Automann wie Montezemelo überlassen.
Leider sind aber in diesen Positionen nur mehr Egos am Werk die alleine "Alles Schaffen" und dann wenn schief läuft, mit hohen Abfertigungen abserviert werden.

Re: Marchionne in Genf...

Posted: 31 Mar 2014, 19:20
by Karl3
Also ich bemühe mich ja, andere Meinungen zu respektieren, aber dieses ständige "Marchionne-Bashing"
halte ich für kindisch, weil es einfach nicht berechtigt ist.

Dieser Herr hat mal hat mit dem GM-Deal und dem 500er den Konzern vor dem Konkurs gerettet. Nicht nur
ein bissl was verbessert, da war fast aus, mausetot. FIAT ist von Schaufel gesprungen. Das an sich ist
schon mal eine respektable Leistung.

Der nächste Coup war dann die Chrysler-Geschichte. Man hat sich zu einem echten Global Player
aufgeschwungen und "spielt wieder mit", wie es Elkann kürzlich bezeichnet hat, und kämpft nicht permanent
ums Überleben.


fiorello schrieb:
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> es ist eine Misere und wenn das so weitergeht dann Signore SM neben Lancia auch noch Alfa an die Wand
> gefahren und damit zwei der größten italienischen Traditionsmarken eingestampft (td)

Ich sehe keinerlei Indizien, dass Alfa an die Wand gefahren wird, eher das Gegenteil.
Auch find ich nicht, dass SM Lancia an die Wand gefahren hat.

> Es kristallisiert sich das heraus was ich von Anfang über SM dachte, ihm geht es NUR um
> Chrysler, für die Marke schlägt sein Herz und nichts anderes, da kann mir einer erzählen was er
> will, eine Reaktivierung Lancias oder Alfas war nie sein Ziel, auch wenn mir viele widersprechen
> aber mit dem Geld was man für die Übernahme Chryslers verauslagt hat, wäre eine Sanierung
> beider Marken möglich gewesen, denn genauso wie VW kann Fiat seine Marken auf dieselben
> Plattformen bauen, diverse Teile untereinander verwenden, angefangen von Motoren, Getriebe bis
> hin zu Schalter usw.

Mit welchem Geld, bittesehr ??? Geld, das gar nicht da ist ???
Für das "Geld" das man für die letzten Chrysler-Anteile aufgebracht hat (die ersten Anteile waren
ja praktisch "gratis" im Austausch gegen Know-How), hat man auch etwas "Greifbares" bekommen,
Anteile an einem US-Konzern: Marken, Fabriken, Händler-Netz, usw...
Da spielen die Banken (relativ risikolos) mit, dafür gibts Kredite.

Ich denke nicht, dass die Banken in gleichem Ausmass Geld für eine Bravo oder Delta
Neuentwicklung zur Verfügung stellen würden ....

> Man hätte Fiat als den klassischen Wagen fürs Volk gelassen, Alfa dann eher sportlich
> ausgerichtet und Lancia den Nobelmarkenpart zugestanden, war alles machbar, man muss es ebend
> nur wollen ;)

Ich denke, das wäre eigentlich auch der Plan ....

> Nach einer erfolgreichen Sanierung, wären dann auch wieder solche Dinge wie Integrale für Lancia
> möglich gewesen, genauso wie die Produktion solcher Traüme Nuova Fulvia etc. was hätten wir
> noch für tolle Autos unserer Herzensmarke erleben können, man schaue sich nur an was Audi aus
> seiner Quattrotechnik gemacht hat und Lancia hingegen mit seiner zu der damaligen Zeit besseren
> Integraletechnik

Ähh.
Wie sollte die erfolgreiche Sanierung aussehen?
Dass ein neu entwickelter Delta dann 50.000 Stück macht, gerade mal 1% im Konzern?

> Anstatt für viel Geld Maserati aufzustellen, alleine schon von den Verkaufspreisen her dürfte
> Maserati niemals ein Ersatz für Lancia sein.

Maserati wird eigentlich als Beispiel für seinen erfolgreichen Kurs gesehen, "Italien wieder zu sanieren".

> Ein Bsp. wir fahren seit November einen Lancia Y und haben bis heute noch nicht einen anderen Y in
> freier Wildbahn gesehen ::o ist das Auto so schlecht ? Nein, es ist für mich der derzeit
> beste Kleinwagen am Markt, aber niemand kauft ihn

Das ist die Erklärung.

> und hier hat SM versagt auf ganzer Linie. Marketing ist für Fiat ein Fremdwort, genauso wie
> Kundenorientiertes Handeln (td)

Das ist sicher mit Schuld, aber immer eine Rechnung von Preis/Leistung. Der Konzern ist auf gutem Weg,
es gibt schöne Zuwächse jedes Monat. Trotzdem muss gut überlegt werden, wie die Ressourcen eingesetzt
werden, die Schuldenlast ist drückend hoch.
Es sitzen sicher nicht "ein Haufen Idioten" in den Zentralen, die einfach nicht wissen, welch gute Ratschläge
wir für sie hätten. Denen ist das sehr wohl bewusst (ausserdem entscheidet nicht SM alleine), aber es wird
halt abgewogen. Wir werden schon noch Kombi, Coupe und Cabrio, hat halt geringere Prio...

K3

PS: aber mit einem Kritikpunkt geh ich völlig d'accord: der "Atem" für New-Lancia war viel zu kurz....