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Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 18 Jun 2011, 22:22
by CC
In der neuen routeclassiche (so ähnlich wie die motor klassik, nur besser) ist ab Seite 104 ein mehrseitiger Bericht über die zukünftigen Klassiker.
Zwischen Audi TT, BMW Z3 M Roadster, Jaguar XKR, Mercedes CL 55 AMG und Porsche 944 S2 Cabrio findet sich welches Fahrzeug, das in einer Reihe mit den anderen genannt werden kann und von gleicher Art, Rasse und Design ist?
Ja, richtig, es ist das KAPPA COUPÈ!!!!.
Die prognostizierte Wertentwicklung ist interessant. Ausgehend von einem heutigen Wert in Höhe von 1.000,- Euro (der erheblich zu niedrig ist, für gut erhaltene Exemplare mit unter 100.000 km und weniger als 2 Vorbesitzern werden 5stellige Beträge gezahlt) soll das kC 2015 4.000,- Euro und 2020 sogar 10.000,- Euro erreichen.
Nach der Prognose ist das Preistief jetzt, billiger werden sie also nicht mehr.
Gute Aussichten also für die Eigner eines kC aus max. 2. Hand mit wenig KM.
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 18 Jun 2011, 23:35
by pelle
Hey,
Das hört sich ja eigentlich ganz gut an...
Aber was unterscheidet ein Kappa Coupé von einem Gamma Coupé? Das Gamma Coupé ist nun mittlerweile 30 Jahre alt und bringt in etwa das gleiche mit wie ein Kappa Coupé. Es ist sehr selten, es ist außergewöhnlich Gezeichnet und ist ein Granturismo. Wieviel bezahlt man für ein Gamma Coupé? Bestimmt nicht mehr als 7.000€, oder? Wobei auch ein wesentliches Kriterium sein dürfte, welcher Motor verbaut wurde.
Ich glaube so wirds auch beim kC aussehen... Hier wird entscheidend sein, ob der Wagen Leder hat oder Schiebedach und natürlich der Motor. Die anderen Extras sind zweitrangig, wenns das elektrische Fahrwerk ist, evtl. Preismindernd (meine Meinung). Eine Preisentwicklung bis 20.000€ schätze ich als eher unrealistisch ein, genauso wie den Preis von aktuell 1.000€. Wenns anders läuft würde es mich natürlich freuen...
Was ich gar nicht nachvollziehen kann ist diese ominöse 100.000km Marke. Wenig gefahren zu sein, heißt auch, viel gestanden zu haben. Ist das jetzt wirklich so gut? Irgendwie geht mir diese "Kilometergier" gegen den Strich. Es ist ja nix neues, dass stehen dem Auto mehr schadet, als es tatsächlich zu fahren. Will man somit so weit wie möglich am Neuwagenstatus sein, um das entsprechende Feeling zu haben? Gut, 200.000km wären mir auch zu viel, weil man dann so langsam an eine Motorrevision und vielleicht auch Getriebe denken muss (nicht zwangsläufig), aber sind Autos mit über 100.000km Autos zweiter Klasse?
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 19 Jun 2011, 13:30
by LCV
Hallo,
ein Gamma Coupé ist nach wie vor fast unverkäuflich. Das liegt daran, dass man sich bei der Konstruktion gravierende Fehler geleistet hat, die dem Auto ein Katastrophenimage verpasst haben.
Was die km angeht, sind für derartige Fahrzeuge 20.000 km p.a. sicher nicht zu hoch gegriffen. Das bedeutet nach 30 Jahren ca. 600.000 km. Da aber fast alle Kaufinteressenten mehr auf die Kilometerleistung als auf die wirklich wichtigen Dinge schauen, kann man heutzutage kein Gamma Coupé finden, das über die Jahre entsprechend bewegt wurde. Spätestens mit 250.000 km geht das Ding in den Shredder oder wird wenigstens geschlachtet. Also käme lediglich ein zu gegebener Zeit vollrestauriertes Fahrzeug in Frage. Das könnte durchaus 20 Jahre kilometersparend in einer Garage gestanden haben. Im Falle Gamma wäre es aber Wahnsinn, den finanziellen Aufwand zu betreiben. Obwohl ich normalerweise dafür plädiere, den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten, käme für mich ein Gamma Coupé nur wegen des PF-Stylings in die Garage. Die Motor-Getriebe-Einheit müsste durch ein zuverlässiges Fremdfabrikat ersetzt werden. Ich weiß von einem Gamma in Italien, der mit einem SAAB-Motor fährt. Ein anderer hat einen modifizierten Motor, der einige Mängel nicht mehr haben soll. Es gab schon Überlegungen, einen Subaru-Boxer zu verbauen. Das alles kann man nur machen, wenn man nicht die Absicht hat, das Auto jemals zu verkaufen. Ein Gamma ist absolut kein Objekt mit lohnender Wertsteigerung. Es wird auch in 50 Jahren nicht mal die Garagenmiete während der Einmottung wieder einspielen.
Beim kC ist die Situation nicht anders, wenn auch aus anderen Gründen. Hier gibt es zumindest bezüglich der Technik kein Negativimage. Aber es ist reine Illusion, dass man in 10 oder gar 20 Jahren ein kC noch am Leben erhalten kann, da ja die Art und Weise der Ersatzteilversorgung nur eine Option offen lässt: Teile selbst nachzufertigen. Dies kann sich aber nur rechnen, wenn der Wert irgendwo bei 200.000 Euro oder mehr liegt. Ein Auto Baujahr 1920 wird man leichter und billiger erhalten können als ein kC in ein paar Jahren. Vor allem die Elektronik wird das größte und teuerste Problem darstellen. Wer sein kC für die "Ewigkeit" erhalten will, sollte sich alle Ersatzteile gleich mehrfach JETZT ins Regal legen. Sonst ist beim ersten besten Defekt FINITO.
Alles in allem halte ich die Prognosen einiger Journalisten für total weltfremd. Evtl. steckt ja auch die Absicht dahinter, den Markt ein wenig zu beeinflussen. Man kann aber die Erfahrungen der Jahre 1900 bis ca. 1975 nicht auf Autos nach 2000 übertragen. Eine Chance haben nur extrem hochpreisige Autos à la Ferrari, Aston Martin etc. oder wenn Firmen wie Mercedes selbst Interesse daran haben, dass die Versorgung aufrecht erhalten bleibt. Aber beim Fiat-Konzern müsste (endlich) ein totales Umdenken erfolgen. Da wird man ja schon bei so jungen Autos wie dem Thesis im Stich gelassen.
Ob man aber künftig ältere Autos überhaupt noch fahren darf, ist ja auch fraglich. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass es Umweltzonen geben wird? Die 30-Jahres-Grenze für Oldtimer kann von Brüssel oder Berlin auch drastisch nach oben gesetzt werden oder wenn die politische Entwicklung noch grüner wird, braucht man womöglich demnächst eine Lizenz, um ein Auto im Museum aufzubewahren. Ich traue Politikern so ziemlich alles zu. Wie wäre es mit einer Kfz-Steuer allein für den Besitz, egal, ob das Auto eine Straßenzulassung erhält? Es ist hier so viel in Bewegung, dass Prognosen über die Preisentwicklung von Autos Blödsinn sind. Die hochbezahlten Experten irren sich ja auch sonst ständig, was die Wirtschaftsentwicklung oder Wahlergebnisse angeht. Da sind inzwischen die Wetterfrösche zuverlässiger.
Gruß Frank
nicht so pessimistisch
Posted: 19 Jun 2011, 14:01
by Lancistos
Das Kappa Coupé dürfte technisch nicht so schwer zu unterhalten sein. Wie häufig hat hier oder auf der ungarischen Seite schon jemand berichtet, wie er zu Lötkolben griff und einem elektronischen Bauteil zu neuer Blüte verhalf.
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 19 Jun 2011, 17:22
by pelle
Hallo Frank,
So dramatisch würde ich die Lage nun auch nicht einschätzen. Der Kappa wurde ca. 110.000 mal gebaut (inklusive SW und Coupé). Die drei Karosserievarianten teilen sich wirklich recht viele Technikteile. Antriebsstränge sind identisch, genauso wie viele Aufhängungsteile, wenn man von den hinteren Stoßdämpfern mal absieht. Das sichert eine gute Ersatzteilverorgung. Gerade weil der Wagen in Osteuropa sehr beliebt ist und die Autos dort länger gefahren werden als bei uns, wird einerseits das nötige know-how, sowie auch Ersatzteile aus der Richtung kommen. Die Buchse für die einseitig nicht mehr lieferbaren Längslenker habe ich mir aus Polen bestellt...
Da gibts beim Thesis doch gravierendere Probleme. Einerseits die sehr anfällige Elektronik und dann die Versorgung mit Ersatzteilen, die schon kurz nach Produktionsende an ihre Grenzen gerät. Gerade was Aufhängungsteile angeht ist sowas sehr kritisch. Die Ersatzteilsituation beim Kappa würde ich als sehr entspannt bezeichnen. Zudem gibt es beim Kappa nicht wirklich ernstzunehmende Schwachstellen, die nicht lösbar sind (gut, die Fensterheber beim kC sind so eine Sache...). Ansonsten ist der k ein grundsolides Auto, was man von Gamma und Thesis nicht uneingeschränkt behaupten kann.
Grüße,
Michel
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 19 Jun 2011, 18:03
by LCV
Hallo Michel,
wir reden vom Wert in 10 bzw. 20 Jahren. Es spielt dabei kaum eine Rolle, wieviele Autos insgesamt gebaut wurden. Tatsache ist, dass ein k momentan so gut wie nichts wert ist. Deshalb werden auch die meisten im Shredder landen. Dazu kommt die merkwürdige Einstellung des Herstellers zur Ersatzteilversorgung. Ich würde behaupten, dass schon jetzt die Versorgung um Welten schlechter ist als beispielsweise für einen Mercedes /8. Sicher gibt es die eine oder andere Privatinitiative. Auch mögen ein paar Händler etwas mehr tun als das Werk. Aber kann man sich künftig darauf verlassen? Sicher nicht. Wer also unbedingt sein kC in 20 Jahren noch fahren will, sollte sich jetzt mit Ersatzteilen eindecken. Ich will das keineswegs dramatisieren. Ich blicke nur auf über 20 Jahre Cluberfahrung zurück. Angesichts der Neustrukturierung mit Chrysler wird es hinsichtlich der Versorgung älterer Lancias sicher nicht besser werden.
Die aktuell miese Marktsituation ist aber auch eine Chance für kC-Fans. Jetzt kann man noch Ersatzteile ergattern und wer Platz hat, sich Teileträger auf die Seite stellen.
Mich würde auch mal interessieren, wieviele Kappa von den 110.000 noch existieren. Der Bestand ist bestimmt schon drastisch geschrumpft.
Gruß Frank
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 20 Jun 2011, 11:07
by Lancistos
Hallo Frank,
zuletzt hattest du das kC als die Flaminia des kleinen Mannes gesehen, als bezahlbarer Traumwagen für kleine Leute. Jetzt siehst du den Wagen, als den Ersatzteil-Gau von 2020. Die Ersatzteilversorgung kann nie so gut sein wie der /8 von Mercedes, welcher noch in 100 Ländern als Taxi läuft. Denn dieser ist soetwas wie der Fiat-Lada oder der Fiat-Tofas. Aber das kC wird trotzdem nicht so schwer zu unterhalten sein.
Die Ersatzteilversorgung für historische Mercedes von ähnlicher Seltenheit ist übrigens, wenn man von Verschleißteilen absieht, keinesfalls so perfekt wie die Werbungen behauptet. Ich hatte mal eine Windschutzschiebe für einen Adenauer-Mercedes gesucht, die Antwort des Classic Part Centers des Herstellers nach 10 Tagen (!): Bis auf weiteres nicht lieferbar. Gleiches für einige Zierteile. Und hochgelobte Oldtimerteilehändler wollten fast 1000 € für Blinker, die Mercedes für ein paar Dutzend Euro hingegen wieder liefern kann.
Viele Grüße
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 20 Jun 2011, 11:23
by LCV
@ Lancistos:
Du musst etwas verwechseln. Ich habe das kC sicher nicht
als die Flaminia des kleinen Mannes bezeichnet. Aber wer
überzeugt ist, dass in 20 Jahren noch alles easy sein wird,
soll einfach abwarten. Die Realität wird ihn schon einholen.
Ich sage das nicht, um das Auto schlecht zu machen oder
jemanden vom Kauf abzuschrecken. Aber wer den Wagen
nicht mehr hergeben will, sollte jetzt vorsorgen. Gehe nur mal
eine Baureihe zurück. Spannrollen für den Thema 8.32 gibt
es schon lange nicht mehr - offiziell. Aber durch eine
Initiative wurde eine Nachfertigung ermöglicht. Der 8.32 hat
trotz aller finanziellen Aspekte einen anderen Stellenwert als
ein kC. Deshalb gibt es auch jetzt noch so viele Anhänger,
dass solche Aktionen möglich sind. Beim kC kann man sicher
auch nicht auf alle Teile der Berlina und SW zurückgreifen.
Es sind jetzt schon nicht mehr viele da. Wenn aber ein kC
inzwischen weniger kostet als ein gebrauchter Dacia, wie sieht
es dann in 5, 10 oder gar 20 Jahren aus. Wenn sich dann kein
Enthusiast findet, die Sache in die Hand zu nehmen, kann man
beim ersten größeren Defekt das Auto in die Tonne klopfen.
Ich habe bei den verschiedenen Baureihen erlebt, wie sich
die Versorgung (negativ) entwickelt hat. Es wäre ziemlich naiv
zu glauben, dass es jetzt plötzlich besser würde. Da glaube ich
lieber an den Weihnachtsmann.
Gruß Frank
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 20 Jun 2011, 12:17
by olaf
Ich denke das du mit deiner Einschätzung recht hast. Aber die betrifft alle neueren Autos.
Man muss da unterscheiden zwischen Mechanik und Elektronik. Kein Bastler kann ein Auto
selbststätig auf ewig allein am Laufen halten. Nehmen wir mal den Fall das man eine neue
Nockenwelle braucht. Wenn man die irgendwann nicht mehr gebraucht bekommt muss man die
nachfertigen. Dafuer gibt es mittlerweile Spezialisten. Fuer reichlich Geld bekommt man dann eine
neue massgefertigte Nockenwelle. Und das gilt im Prinzip fuer alle mechanischen Teile.
Jetzt zur Elektronik. Da muss man unterscheiden zwischen alter Elektronik und dem was aktuell
so ueblich ist. Nehmen wir mal den Thema. Wie ich ja schon sagte besteht bei dem der Prozessor
im wesentlichen aus einem MCS51 und das Steuerprogramm befindet sich in einem externen Eprom.
Ein Spezialist kann sowas problemlos reparieren. Allerdings muss sich sowas erstmal am Markt
etablieren.
Ein grosses Problem wird man dagegen mit neueren Autos haben. Ich weiss nicht ob der Kappa
bereits dazu gehoert, da ich da noch kein Steuergeraet von innen gesehen habe, halte es aber fuer
sehr wahrscheinlich. Dort befinden sich die Programme im inneren der Controller. Speziell gegen
auslesen geschuetzt. Du brauchst Programmiertools die nicht mal eben so beschaffbar sind.
Da sind dann viele einfache Fehler reparierbar, aber manches eben auch nicht. Und dann
kann man sein Auto beerdigen wenn man kein Ersatz hat.
Eine Alternative koennte dann vielleicht darin bestehen das man universelle Steuergeraete einbaut.
Allerdings halte ist das fuer einen hoellenaufwand. Man denke nur an TueV/Zulassung. Und
gerade beim Kappa kommt noch hinzu das sich die Steuergeraete ja untereinander unterhalten
um ihre Seriennummern abzustimmen.
Aber wie schon gesagt das betrifft nicht nur den Kappa sondern alle Autos ab etwa mitte der 90er Jahre.
Wer wirklich so einen Wagen lange behalten will der sollte darauf achten sich bezeiten solche Steuergeraete
wegzulegen. Und lasst nicht gleich jeden Schwachkopf dran rumloeten wenn was ist! Das ist ein Bereich wo
sich erst Reputation und Erfahrung herausbilden werden. Da kann so ein Geraet auch schnell verbastelt werden.
Olaf
Re: Bericht in routeclassiche 06.2011
Posted: 20 Jun 2011, 12:25
by Lancistos
stimmt, der Thema 8.32 hat einen anderen Stellenwert: Man denke nur daran, dass der Zahnriemen nur von Experten getauscht werden kann, ohne dass man den ganzen Motor ausbauen muss. Und die Sensibilität eines Ferrari verbirgt sich hinter der Karosserie eines Massenautos.
Ich habe mein kC vor 2,5 Jahren aus erster Hand gekauft, und mache etwa 10.000 km im Jahr, aktueller KM-Stand 180.000.
Jegliche Verschleißreparaturen, und seien sie noch so teuer kommen mich billiger, als jegwedes Neuwagencoupe von Renault Laguna bis Mercedes E-Klasse. Selbst ein Austauschmotor des kC inkl. Einbau ist billiger als ein paar Leasingraten des besagten Mercedes!
Gerne lasse ich auch mal ein Teil nachbauen, wenn nötig kann ich es auch selbst zuvor in einem CAD-Programm nachkonstruieren oder suche nach Fremdteilen, die passen. Auch dass gehört zum Spaß ein altes Auto zu fahren. Sollte irgendwann jedoch mal der "worst case" eintreten, und der Wagen nicht mehr in Betrieb zu halten sein, dann ist das kein Weltuntergang.
Lieber Frank, in dem Sinne eine gute Fahrt, egal ob in einem Lancia oder einem anderem Auto. Ärger dich nicht, wenn die Ersatzteilversorgung nicht die beste ist. Jeder Hersteller will eigentlich primär nur Neuwagen verkaufen, ob mit "Classic Parts" und Oldtimer Werbung gemacht wird, oder nicht. Da ist der Fiat-Konzern ehrlicher.