Also wenn der Händler vom nicht verlorenen Appeal spricht, sollte er mir bitte erklären, warum gerade in seinem „geliebten“ Norditalien die Leute eher „germanophil“ sind. Es gibt ein eindeutiges „Nord-/Süd-Gefälle“ und je weiter du in den Süden geht, desto mehr verkauft die FIAT-Gruppe Autos (auf den Marktanteil bezogen) (mit ein paar Ausreißer im Norden wie im Süden, so ist FIAT und Lancia logischerweise in Piemont und somit um Turin stark und wenn ich mich nicht irre, in Lazio – auch logischerweise – eher schwach.
Also von einem „Appeal“ zu reden, halte ich für gelinde gesagt, total dämlich, zumindest wenn es um Autos oberhalb des Ypsilons geht. Der Ypsilon bildet hier die „goldene“ Ausnahme.
Mehr noch, denn es ist nun einmal eine Tatsache, dass diejenigen, die sich ohne Probleme den „Mehrpreis“ eines Lancias gegenüber einem FIAT antun könnten, lieber zur „deutschen“ Konkurrenz laufen und selbst VW genießt ab Golf-Klasse einen wesentlich besseres Image als Lancia und lassen wir das Gesülze von „wir verkaufen das Produkt und haben den Puls am Markt“, und dass ich nicht minder eine Beurteilung treffen kann, stützen die tatsächlichen Zahlen – einschließlich der Gebrauchtfahrzeuge (lieber einen gebrauchten Deutschen als einen neuen Lancia oder Alfa oder FIAT) – sprechen eine eindeutige Sprache.
Man braucht eh nur durch Norditalien zu fahren, um zu sehen, wie viele italienische Autos noch dort herumfahren, um das leicht zu „überprüfen“.
Daher sehe ich das Gerede eher eines Händlers an, der versucht, „gute Miene zum bösen Spiel“ zu machen denn schließlich will er ja noch den Ypsilon verkauft bekommen.
Also daher die „risate“ habe ich mir bei seinen Äußerungen gemacht mit dem „Appeal“
Bei der „Produktionsverlängerung“ des Deltas könnte es sich in der Tat um eine „Politik“ handeln, um den Leasing-Markt komplett der Konkurrenz zu überlassen. Das hat man auch beim 159er Alfa so gemacht, der eigentlich längst „unverkäuflich“ war, aber weil noch ein Bedarf an „aziendale“-Fahrzeuge bestand, man nicht komplett sich von dort verabschieden wollte.
Aber es handelte sich dabei wirklich um eine „begrenzte“ Anzahl. Dazu kommt aber auch noch, dass in der Krise auch dieser Markt komplett zusammengebrochen ist und die Unternehmen kaum noch neue Fahrzeuge zulassen oder wenn, dann teilweise auch noch unterhalb des Deltas.
Aber hierbei wäre es wirklich denkbar, dass es eben wegen einer „starken“ Nachfrage (relativ gesehen) nach Leasing-Fahrzeugen man eine kleinere Produktionslinie parallel mit dem Delta laufen lässt, zumindest bis die neueren Alfas die Lücke schließen können, die einst der 159er/Croma und der Delta hinterlassen haben /hinterlässt.
Meine Betrachtungen bezogen sich in erster Linie um die reinen „Zulassungen“ und da ist der Delta längst abgerutscht und leider fehlt es an neuen Impulsen hierfür.
Eine andere Frage ist es, mit dem „nervösen“ Gerede vieler, aber das hängt auch damit zusammen, dass viele, sehr viele, lange nicht der Wahrheit ins Gesicht schauen wollten und heute das Bild vor sich haben und dieses Bild spricht eine eindeutige Sprache.
Und wie immer, wenn Menschen das Ende sehen und sei es, wenn es noch solange entfernt ist, werden sie „nervös“ und je näher die Deadline kommt, desto nervöser wird man.
Dass es keine „Übernacht-Entscheidung“ geben wird, versteht sich von selbst, denn das geht allein von der verwaltungstechnischen Seite nicht, nicht in Italien, wo Lancia mit dem Ypsilon ein gutgehendes Modell im Programm hat und auch mit Tychy eine Fabrik, die Marchionne nicht völlig egal sein kann.
Der Ypsilon wird, sofern nicht hier eine Hysterie mit Herdensyndrom ausbricht, noch 3 Jahre im Programm bleiben, also wird man das Modell, das ja immerhin Entwicklungskosten verschlungen hat, möglichst diese 3 Jahre in Ruhe lassen. Dazu müssen auch die Händler umstrukturieren, auch wenn – und dass müssten die Herren aus Mailand wissen – längst die Händler informiert wurden, dass man sich bitte „anderweitig“ umschauen sollten und die Lücke, die Lancia auf kurz oder lang hinterlassen wird, mit einer anderen Lösung zu schließen.
Das Zusammenlegen von FIAT und Lancia in einen einzigen Verkaufsraum ist auch ein Zeichen, dass man nur mit einem Modell mehr plant, denn sonst bekämen viele FIAT-Händler Probleme, um die Vorgaben (es gibt eine bestimmte Quadratmeterzahl, die sie einhalten müssen) zu erfüllen, wenn auf einmal noch weitere Modelle hinzukämen.
Da aber in absehbarer Zeit keine neue Lancia-Aktivitäten zu erwarten sind – zumindest sehe ich sie nicht und keiner, die ich kenne und ein gutes Gespür und/oder entsprechende Insiderquellen sind, erzählen von eventuellen Entwicklungen für Lancia. Dazu hat Marchionne explizit – und dazu passt auch die Motorenauswahl, das eher für den US-Markt typische Design – ausgeschlossen, dass der 200er nach Europa kommen wird, egal ob als Lancia oder Chrysler.
Also braucht man kein Genie zu sein, um 1 und 1 zusammenzurechnen, denn Lancia – Appeal hin, Appeal her – wird nicht mit einem Modell als „Brand“ überleben können, weil die Neuentwicklung eines Nachfolgers Geld kosten würde, weiterhin in Werkstatt (man brauchte bisher 2!!!!!!!!! Meister, einen für Lancia, einen für FIAT), Vertrieb, Werbung etc. zu investieren, um am Ende ein Modell zu haben, das in Italien sich ordentlich verkauft, aber mit rund 45.000-50.000 viel zu wenig, um zu überleben. Das wäre anders, wenn der Ypsilon die Panda-Verkaufszahlen hätte, denn dann würde der italienische Markt alleine ein Modell tragen, aber die Zeiten sind beinahe vorbei, als allein der Heimatmarkt ein Modell tragen konnte (Uno oder PuntoI).
Die Tatsache, dass nun SM weitere drei Jahre bleiben wird und nicht, wie vorher auch von ihm geäußert, bereits 2015 in Rente zu gehen, macht die Sache nicht leichter, denn ein Nachfolger mag die Sache wieder anders beurteilen, speziell wenn es Francois werden würde, der ja Lancia geführt hatte und bei seiner Produktoffensive an dem Veto der FIAT-Spitze gescheitert war.
Dazu wird man sehen, ob SMs Alfa-Strategie Erfolg hat. Für Europa jedenfalls sehe ich den nicht, zumindest nicht bei einem Produkt, das über 25.000-30.000 Euro kosten dürfte, kein Cabrio/Coupé ist und auf genügend Stückzahlen kommen muss.
Aber vielleicht irre ich mich ja bzw. will SM tatsächlich mit Alfa voll durchstarten und nimmt jede Menge Geld in die Hand, die das Projekt Alfa auch hinsichtlich Händlerstruktur und Marketing (die heutige Marketing-Strategie reicht nicht aus, wie es sich ja Woche für Woche, Monat für Monat und das seit Jahren zeigt) kosten wird.
Dass Marchionne am Ende nicht alles in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ machen kann, versteht sich von selbst, aber allein die „Missachtung“ der Marke reicht aus, um der Marke den endgültigen Todesstoß zu verpassen.