Sollten die vor einiger Zeit geäußerten Aussagen stimmen, besitzt FIAT genügend Geld in der "Streikkasse" und du kannst davon ausgehen, dass man das die Summe längst bereit hatte und unabhängig der zukünftigen Entwicklungen geht. Dazu hat man am Ende das Paket nicht "überteuert" geschnürt bekommen, vor allem wenn man bedenkt, was die VEBA ursprünglich verlangt hat, aber scheinbar haben die "finanzielle" Probleme bekommen, sodass sie lieber schnell eine Lösungen haben wollten. Dazu hätte ein Börsengang und/oder langfristiger Rechtsstreit für FIAT teilweise unvorhersehbare Folgen gehabt.
Du weißt, dass Europa "verloren" ist und vor allem auch warum
Beim Kauf Chryslers geht es nicht allein um den US-Markt an sich und auch nicht um Chrysler und Nordamerika, sondern es geht hier um eine Strategie, die "weltweite" Bedeutung hat. 100% zu übernehmen. FIAT hat nun "Planungssicherheit" und muss sich bezüglich Chrysler von keinem etwas sagen lassen müssen.
Daher wird der Kauf der Chrysler-Gruppe FIAT per se nicht schwächen, mittelfristig eher stärken.
Die Frage, ob und wie lange der nordamerikanische Markt wächst, kann dir keiner beantworten, aber auch nicht, ob der chinesische Markt in der aktuellen Form auch weiterhin großartig wächst und Europa ist "unsicher" denn je.
Das heißt, mit diesen Risiken musst du als Unternehmer, der global tätig ist, leben. Es ist sicherlich, wie SM ja auch betont hat, nicht möglich, dass der nordamerikanische Markt die Verluste, die man in Europa einfährt, ausgleichen wird und kann.
Und auch in Brasilien, einem Markt, der zurzeit eher rückläufig ist, sind Wachstumsraten der letzten Jahre auch nicht zu erwarten, aber das sind Punkte, die für die gesamte Automobilbranche gilt.
FIAT hat darüber hinaus noch ein paar andere "Baustellen", wie die des asiatischen Raums, der zwar FIAT sogar einen "Gewinn" beschert hat, aber man weit hinter den gesteckten Zielen geblieben ist.
Hier wird sich in den nächsten Jahren für FIAT vieles noch tun.
Wie gesagt, der nordamerikanische Markt kann nicht ewig die Verluste, die in Europa lauern, auffangen, aber mit der absoluten Kontrolle Chryslers hat man eine "Planungssicherheit", die für FIAT unverzichtbar ist.
Die Frage, die wir uns eher stellen (müssen) ist die, ob die Planung für Europa "richtig" oder falsch ist.
Das ist schwer zu beantworten und die Ergebnisse - positiv oder negativ - wird man erst in den nächsten Jahren sehen. Fakt ist, FIAT hat seit ca. Mitte 2013 gewisse Entscheidungen getroffen, die andeuten, dass man die aktuelle Entwicklung auf dem mit riesigem Abstand wichtigsten Markt der FIAT-Gruppe in Europa, schon antizipiert hatte. Der Tiefpunkt dürfte wohl erreicht worden sein, allein "zahlentechnisch" gesehen, konnte der Markt nicht "unendlich" schrumpfen und im Dezember gab es zum ersten Mal seit ein paar Jahren einen -zugegebenermaßen kleinen - Zuwachs bei den Zulassungszahlen und es ist zu erwarten, dass der Markt hier nicht weiter schrumpft, sondern der Boden 2013 erreicht wurde.
Die Zuwachsraten hier in Italien dürften dennoch eher geringerer "Natur" sein, aber gerade zu dieser Trendwende wird FIAT mit neueren Produkten aufwarten, also so gesehen, hat man sehr "feine Antennen" gehabt.
Fakt ist, in Melfi wird "investiert", die Fabrik wird "runderneuert" und so "modern" wie die in Pomigliano werden. Die Vorbereitungen für die beiden neuen Modelle (500X und "Baby-Jeep) sind bereits gestartet.
Mirafiori, vielleicht die wichtigste Nachricht, weil es eine historisch wichtige Fabrik ist (gleichbedeutend mit Wolfsburg für VW), dass hier drei Modelle gebaut werden und Grugliasco an seine Kapazitätsgrenzen kommen dürfte.
Das heißt, hier tut sich sehr sehr viel und ist auch durch einen "wankelmütigen" Marchionne nicht mehr rückgängig - zumindest nicht kurzfristig - zu machen.
Bei Cassino - angesichts Marchionnes "extremer Flexibilität" - bin ich etwas vorsichtiger, aber auf jeden Fall steht zumindest der Plan, hier die neueren Alfa-Modelle des C-/D-Segments zu bauen. Das dürfte aber eher für 2015 sein, nicht mehr in diesem Jahr, zumindest werden dort kaum die ersten neuen Fahrzeuge 2014 rollen.
Und sollte die Entwicklung hier anhalten, nun mit der Planungssicherheit mit Chrysler im Rücken, wird FIAT in diesem Jahr beginnend und dann 2015-16 "durchstarten" können.
Ob das am Ende "erfolgreich" sein wird oder nicht, kann ich nicht sagen und ich glaube, das kann auch hier keiner vorhersehen. Die zu erwartende Modellstruktur lässt bei mir zumindest für Europa skeptisch werden, aber was mir "nicht" gefällt, heißt nicht automatisch, dass es ökonomisch gesehen, für FIAT nicht doch "gewinnbringend" sein kann.