Ich habe so meine Theorie, die zumindest, wenn ich Verkaufszahlen in Italien über die Jahre und das, was ich so höre und gehört habe, berrücksichtige und da SM dies auch indirekt schon mehrmals gesagt hat, vielleicht nicht so ganz von der Hand zu weisen ist, auch wenn ich mich frage, ob das nicht auch für andere Hersteller gilt.
In Italien stehen sich eigentlich zwei Lager gegenüber, eines, das prinzipiell "italienische" Autos bevorzugt (aus welchen Gründen auch immer) und solche, die ein italienisches Auto wie der Teufel das Weihwasser fürchten (rund 65-70%)
Das heißt, am Ende findet eher ein "Austausch" innerhalb der Brands statt, weniger "Wechselkunden". Anders ausgedrückt, wer einen FIAT hatte/hat, ist eher dazu geneigt, einen Alfa oder Lancia zu nehmen und natürlich auch umgekehrt.
Für dich als Kunde ist es "genial", weil du halt dir die "Rosinen" herauspicken kannst, für den Hersteller bedeutet es nur "höhere" Kosten ohne damit höhere Gewinne erzielen zu können bzw. mehr Autos verkauft zu bekommen.
Aber da kommen wir wieder zum berühmten Thema mit der Positionierung der Marken und SMs Politik ist extrem riskant, denn was passiert, wenn man am Ende überhaupt kein "passendes" Fahrzeug mehr findet?
Der Deltina war geplant, Francois hat - laut Quattroruote und eigener Aussage - wie ein "Löwe" darum gekämpft, aber - das ist jetzt nicht meine Sichtweise - befürchtete man in Turin, der Deltina könne vor allem dem damals noch am Markt befindlichen 147er den Graus machen und vielleicht auch dem MiTo gefährlich werden.
Aber das passt zu dem Chaos, das zwar nicht SM "erfunden" hat, aber sicherlich unter ihm nicht weniger geworden ist, denn in meinen Augen ist das kurz gedacht oder einer Alfa-Lobby gemünzt, denn sonst ist das schwer nachzuvollziehen, eben weil man ja auch den Delta herausgebracht hatte, der allein sicherlich nicht Lancia hätte retten können, aber eingebunden in einem Programm an Fahrzeugen wie Ypsilon, Deltina, Musa und Delta sicherlich für frischen Wind gesorgt hätte, damit vielleicht auch am Ende Thema, Flavia und Voyager gut getan hätte.
Da der Ypsilon ja prinzipiell kein "richitges" A-Segment-Auto ist, sondern ins B-Segment reicht/-e, der Delta auch ins D-Segment reicht, hätte eines zwischen B und C sicherlich gut getan und die Lücke geschlossen und da Francois auch so gedacht hat, kann deine und meine Betrachtung ja wohl nicht völlig so falsch sein
Ich vermute also eher, man hatte einfach Angst, man würde Alfa weiter ins Hintertreffen bringen und wenn du bedenkst, dass so Anfang des Jahrzehnts auf einem Euro Werbung für Lancia in Italien 4-5 Euro Werbung für Alfa gekommen ist, wird einem klar, wo der Schwerpunkt stand.
Für mich ist es ein großer Fehler gewesen, denn gerade ein Deltina 4,20 lang, in Erinnerung an die Integrale-Zeit. Man hätte "Gratiswerbung" in allen Medien gehabt und wie viele dann die "alten" Storys ausgegraben hätten.
Und ob man wirklich einem MiTo oder Punto gefährlich geworden wäre, bezweifle ich, denn mit der Länge von 4,20 hätte man darüber gelegen, im Schnitt um 20cm und der Alfa 147er hatte sich doch schon eh "bezahlt" gemacht, eine größere Giulietta in Planung...
Aber man hat es in der Chefetage der Gruppe anders gesehen und heute kommt man zu der "genialen" Einsicht, Lancia könne sich nicht verkaufen, nachdem man hier über Jahre viele Fehler begangen hat.
Die Frage ist nicht, ob, sondern höchstens warum. Die einen werden sagen, es waren "Sachzwänge", ich behaupte, "Alfa-Lobby"...