Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

Citrolan
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Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Hallo,
ich bin neu hier und eigentlich eher Citroen-affin. Ich überlege gerade, mir einen Thema mit dem 8V Turbo zuzulegen (mit KAt). Bei Citroen gibt es keine Stufenhecklimo aus den Jahren und der Thema gefällt mir optisch recht gut. Über den Motor weiß ich aber so gar nichts (Zuverlässigkeit, Zugänglichkeit).

Hat jemand Erfahrungen mit diesem Motor und könnte diese hier einmal kundtun? Wie aufwendig ist denn der Zahnriemenwechsel? Der muss bei dem in Frage kommenden Wagen gewechselt werden. Gibt es im Umkreis von ca. 100 km rund um Osnabrück evtl. einen Auskenner, der Wartungsarbeiten an so einem Youngtimer übernehmen könnte?

Ist der Motor eigentlich verwandt mit dem des Saab 9000 Turbo?

Besten Dank
Citrolan
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LCV
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Ein Fiat-Händler sollte das auch können.
Meine freie Werkstatt hat auch keine Probleme damit,
aber leider ca. 700 km weit weg.

Trotzdem würde ich den 3.0 V6 vorziehen, zumal
es auf EURO 2 umgeschlüsselte Exemplare gibt bzw.
man mittels Mini-Kat den auf EURO 2 umrüsten kann.

Der 3.0 V6 geht nicht so spektakulär zur Sache, ist aber
schnell genug.
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Citrolan
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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LCV wrote: 21 Feb 2019, 19:05 Trotzdem würde ich den 3.0 V6 vorziehen, zumal
es auf EURO 2 umgeschlüsselte Exemplare gibt bzw.
man mittels Mini-Kat den auf EURO 2 umrüsten kann.

Der 3.0 V6 geht nicht so spektakulär zur Sache, ist aber
schnell genug.
EURO 2 wäre jetzt kein Argument, da der Turbo H-Kennzeichen bekommen könnte.
Hat der Turbo denn Nachteile gegenüber dem Ketten-V6 (außer dem Zahnriemen)?
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LCV
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Der 3.0 V6 ist 3. Serie, hat also keine Kette.
Der 2.85 6V* hat eine etwas überarbeitete PRV-Maschine,
der einzige Thema mit Kette.

* Die Italiener waren lange im Irrtum befangen, V6/V8
wäre eine von US-Firmen geschützte Marke. Deshalb z.B
der Fiat 8V und der PRV als 6V.

Grundsätzlich vertrete ich die Ansicht, dass aufgeladene
Motoren auch die Mechanik stärker beanspruchen. Wer nicht
unbedingt ständig am Limit heizen muss, wird mit Saugern
vermutlich eine langlebigere Version bekommen.

Abgesehen davon ist der 3.0 V6 auf Langstrecke relativ sparsam.
Auf tempolimitierten Strecken bin ich mit 7.2 l / 100 km
ausgekommen (Autobahn 130 / Landstraße 110). Dabei streichle
ich das Pedal nur, während ein mitfahrender Delta 2. Serie
1.6/75 PS ziemlich drauftreten musste und glatt 10 l brauchte.
Reiner Stadtbetrieb ist natürlich besser zu vermeiden.
Die reguläre Steuer beträgt 453,90 p.a., aber umgeschlüsselt
bzw. umgerüstet 220,-- p.a., also kaum mehr als die pauschale
H-Steuer. Allerdings dauert es noch etwas, bis die 3. Serie
H-Kennzeichen bekommt. Wenn Umweltzonen ins Spiel kommen,
wäre natürlich das H-K. ein Argument.

Also grundsätzlich muss man unterscheiden:
4 Zyl. ie und Turbo (verschiedene Versionen je nach Serie)
PRV, 2.85 V6 (Kette)
3.0 V6 (der sog. Busso-Motor oder Arese, der auch im Alfa verwendet wurde)
8.32 (V8 1. und 2. Serie)
Vom Diesel muss man ja nicht mehr sprechen.
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Rolf R.
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

Unread post by Rolf R. »

Erst mal herzlich willkommen!

Meine Erfahrung mit einem 1987er 8v turbo:

- Gesamtlaufleistung 299.600 km, bis mein Fahrzeug am Stauende auf der Autobahn gerammt und auch noch in den Vordermann geschoben wurde.

- einzig größerer Schaden: Turbowellenlager bei mehr als 270.000 km. Lancia hat auf Kulanz den halben Ersatzteilpreis (Turbo) getragen. Austauschen konnte ich die Baugruppe selbst.

- Absolut zuverlässiges Fahrzeug mit je nach Fahrweise sehr niedrien Verbrauch (7-8 Liter auf Schweizer Autobahnen) oder auch selten bis zu 15 Liter bei extrem schnellen Hetzen.

- Begeisternde Leistungskennlinie

- Nachteil: Hoher Ölverbrauch. Bei schnellen Hetzen kann schon mal nach 250 km der Ölvorrat aufgebraucht sein. Nachfüllen dringend geboten!

- Zahnriemenwechsel alle 20.000 km. Sehr aufwendig und eigentlich nur mit speziellem Werkzeug zum Einstellen der richtigen Spannung realisierbar. Viele Werkstätten sind damit heillos überfordert. Wichtig: Es müssen zwei Zahnriemen getauscht und die Ausgleichswellen genau positioniert werden.

Nur zur Ergänzung:
- 2 Liter 8V ohne turbo: Eine ziemliche Fehlkonstruktion, bei der häufig Kolbenfresser bzw. Kolbenbolzenschäden auftreten. Abhilfe ist möglich, wenn anstelle des Originalblocks einer vom turbo eingebaut wird. Dieser Block hat zusätzliche Ölspritzdüsen, die das Problem komplett beseitigen.

Thema V6:

- fahre das Modell seit 1984 und ca. 650.000 km. Schäden: keine. Verbauch bis runter auf 8 Liter und rauf beis ca. 14 Liter (sehr selten!) Sehr angenehme Leistungscaharkteristik, aber eben nicht so spektakulär wie der Turbo. Man kann das Fahrzeug sogar mit Standgas ruckfrei bewegen. Eines der Fahrzeuge hat inzwischen knapp 500.000 km auf der ersten Maschine. (Das schafft der Turbo vermutlich dann doch nicht?)

- Wichtig: Der V6 braucht erstklassiges Synthetiköl der Spezifikation 10W60. Gibt es von Shell, Castrol, Liqui Moly (u.a.?). Manche Motore neigen bei höheren Laufleistungen zu merklichem Ölverbrauch bis zu 1L/1000km. Ganz schlecht vertragen die Maschinen nach meiner Erfahrung 0er Öle. Finger weg!

- Der V6 hat wie auch turbos der 3. Serie ein Viskose-Sperrdifferential. Wer das mal im Winter auf Glätte erlebt hat möchte es nicht mehr missen. Dagegen sind die ganzen elektronischen Helferlein a la "Traktionskontrolle" nur ziemlich sinnfreies Spielzeug!

- Gutes Warmfahren dringend erwünscht! Bei 10 Liter Kühlwasser und 7 Liter Öl etwas langwierig, aber dafür erhält man einen nahezu "unzerstörbaren" Motor.

Viel Erfolg bei der Auswahl!

Rolf
lanciadelta64
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Der Turbomotor im Lancia Thema basiert auf einen der berühmtesten Vierzylindermotoren der FIAT-Gruppe, wenn nicht der „berühmteste“ (er diente als Basis für die verschiedenen Rallye-Versionen der FIAT-Gruppe wie Lancia Rallye 037 Evoluzione oder Delta Integrale) und wurde von Lampredi entwickelt, daher auch bekannt als „Lampredi-Motor“. Es handelt sich hierbei um eine Motorenfamilie mit zwei oberliegenden Nockenwellen.

Ursprünglich wurde er als 1,4-Liter-Motor für den 124er Spider entwickelt und im Laufe der Evolution wuchs die Hubraumzahl bis 2 Liter an (der Lancia 037 hatte einen 2,1-Lampredi), dazu wurde er nach unten auch mit einem 1,3 Liter abgerundet.

In den 1980er Jahren begann man die Lampredi-Motoren aufzuladen und so entstanden Varianten mit einem Kompressor (Volumex) und Turboladern. Im Lancia Thema wurde der 8V von Anfang an sowohl als Sauger als auch als Turbo angeboten. Die Motoren von Saab 9000 und Thema sind nicht baugleich. FIAT hat mit Ausnahme des PRV-6-Zylinders ausschließlich hauseigene Benziner-Motoren verbaut und Saab seinerseits keine FIAT-Motoren für den 9000 verwendet.

Die Frage, welcher Motor nun die „geeignetere“ Wahl ist, ist schwer zu beantworten. Prinzipiell sind die Turbomotoren genauso haltbar wie die Sauger. Von den Fahrleistungen her ist die Wahl klar und eindeutig, beim Verbrauch hängt es davon ab, wie man mit diesen Fahrzeugen umgeht, denn wer mit einem Turbomotor umgehen kann, schafft auf jeden Fall Werte, die unter eines gleichstarken Sechszylinders liegt.

Das Problem ist eher ein anderes, nämlich wer wie die Fahrzeuge benutzt hat. Fahrer von Turbomotoren nutzen gerne die Leistungen aus und missachten nicht selten dabei gewisse „Vorsichtsmaßnahmen“, die für alle Motoren gelten, aber beim Turbo ein Muss sind.

Man sollte sie nicht kalt „heizen“, also brav warten, bis die Schmiermittel Betriebstemperatur erreicht haben, Ölwechsel auch wirklich ausreichend vornehmen und bei schnelleren Fahrten unter Ladereinsatz den Motor nicht sofort abstellen.

Wer alles das beachtet, hat mit einem Turbomotor genauso wenig Probleme wie mit einem Sauger. Das heißt aber auch, die Motoren reagieren empfindlicher auf „Missbrauch“. Wenn sich also einen Gebrauchten zulegen will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein eventueller Vorbesitzer eben nicht „sachgerecht“ mit dem Auto umgegangen ist. Bei den Sechszylindermotoren ist es eher damit zu rechnen, dass ein Vorbesitzer eventuell weniger brutal damit umgegangen ist. Wer auf Fahrleistungen achtete, für den kamen eh nur die Turbomotoren infrage, wer eher auf „ausgeglichenes“ Fahren und Fahrkomfort den Augenmerk setzte, griff zu den Sechszylindermotoren. Dazu sind deutlich weniger Sechszylinder-Themas verkauft worden, also weit weniger an einer „breiteren Masse“, dazu nicht selten eher auch in Händen kamen, die vermehrt auf eine gute Wartung Wert gaben.

Kuriosität am Rande: Lampredi und Busso, beide in Italien berühmte ehemalige Ingenieure und Motorenentwickler, waren extrem miteinander verfeindet. Sie arbeiteten zuerst für Ferrari. Lampredi verließ wegen des Streits mit Busso Ferrari, kehrte dann zurück, nachdem Busso zu Alfa wechselte. Im Thema kamen am Ende aber sowohl der legendäre Alfa-V6, von Busso entwickelt, als auch der „Bialbero“ von Lampredi, nachdem FIAT Alfa dem Staat „abgekauft“ hatte.
Citrolan
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Das sind ja mal geballte Informationen, vielen Dank dafür an alle.
Rolf R. wrote: 22 Feb 2019, 13:54 - Zahnriemenwechsel alle 20.000 km. Sehr aufwendig und eigentlich nur mit speziellem Werkzeug zum Einstellen der richtigen Spannung realisierbar. Viele Werkstätten sind damit heillos überfordert. Wichtig: Es müssen zwei Zahnriemen getauscht und die Ausgleichswellen genau positioniert werden.

Thema V6:

- fahre das Modell seit 1984 und ca. 650.000 km. Schäden: keine.
Alle 20.000 km, kein Schreibfehler? Das ist ja krass und wenn das ganze dann nur etwas für richtige Auskenner ist, könnte das ein Ko-Kriterium sein. Wer könnte das denn überhaupt bezahlbar leisten, mal unabhängig von meinem Standort? Zahnriemenkit soll im Kaufpreis enthalten sein, aber das ist dann ja auch nicht viel Wert. So ein schrauberunfreundliches Bauteil ist ein Problem.

650.000 km mit dem V6 ist natürlich eine Ansage. Den Motor kenne ich von meinem XM, da leistet er auch völlig unspekatulär zuverlässig seinen Job. Kaputt gehen eher andere Sachen in der Peripherie.
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Citrolan wrote: 22 Feb 2019, 22:15
650.000 km mit dem V6 ist natürlich eine Ansage. Den Motor kenne ich von meinem XM, da leistet er auch völlig unspekatulär zuverlässig seinen Job. Kaputt gehen eher andere Sachen in der Peripherie.
Das ist schon wieder eine Verwechslung. Im XM werkelt ein weiterentwickelter PRV-V6.
Wie eben auch im Thema 6V - hier 2.85 Ltr. Hubraum

Rolf hat aber den 3.0 V6, der auch im Alfa 164 verbaut wurde. Der hat Zahnriemen.
Allerdings mit einem Hydrauliksystem, das einige Mechaniker vor Probleme stellt.
Man kann aber auf die Version im Alfa umbauen. Vorteil des 3.0 V6: Der Alfa-Mechaniker
kann daran arbeiten. Lancia-Händler gibt es ja nicht mehr.
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Verwechslung eigentlich nicht. Wenn er seit 1984 im Thema mit V6 Motor unterwegs ist, hat er wohl auch reichlich km mit dem Ketten-V6 abgespult.
Und auch im XM gibt es zum Glück reichlich Auswahl beim V6.
Kette mit 167 und 200 PS. Beim kleinen Motor mit 2963 und etwas über 2970 ccm und nicht zuletzt der Riemen V6 mit 190 PS. Turbo gibts natürlich auch ...
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Re: Erfahrungen mit dem Turbo 8V im Thema?

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Das muss Rolf wohl selbst aufklären. Der Thema wurde, wenn ich mich recht
erinnere, Ende 1984 in Deutschland eingeführt. Ich hatte einen Turbo ohne Kat
von Anfang 1985. Also einer der ersten in Deutschland, kam aber aus der Schweiz.

Der 3.0 V6 ersetzte 1992 den PRV-Motor. Es gibt auch Unterschiede je nach
Bestimmungsland. Der 3.0 V6 war vor allem für Deutschland/Schweiz gedacht.
In Italien wurden nicht sehr viele verkauft. Auch hatten für den italienischen
Markt bestimmte Autos oft noch keinen Kat. In anderen Ländern waren da Neuwagen
ohne Kat schon nicht mehr zulassungsfähig.

In Italien gab es damals die Luxussteuer für Autos mit mehr als 2 Ltr. Hubraum.
Deshalb experimentierte man mit 2.0 Turbo, der leistungsmäßig in etwa einem
3 Ltr. Sauger entsprach. Es gab ja sogar einen Ferrari 208, aber nur in Italien.
Dabei ging es wohl weniger um die Steuereinsparung, sondern um das Prinzip.
Man gönnte dem Staat diese zusätzliche Einnahme nicht.
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